Geopark Waldeck-Frankenberg

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ErdGeschichte(n)

Folge 3

Auf den Spuren der Saurier

Von Norbert Panek

Dinosaurier – das Wort lässt Kinderherzen höher schlagen. Steven Spielbergs opulentes Filmwerk „Jurassic Park“ erweckte jene Giganten der Kreidezeit wieder zum Leben und brachte die Urzeit „hautnah“ in unsere Wohnstuben. Auch im geplanten Geopark Waldeck-Frankenberg weht ein Hauch von „Jurassic Park“, haben Saurier über lange Zeiträume hinweg, wenn auch nur vereinzelt, ihre Spuren hinterlassen.

Die Vielfalt der Reptilien prägte weit über 200 Millionen Jahre lang das Leben auf unserer Erde. Fossile Knochenreste und Fährtenabdrücke dokumentieren eines der spannendsten Kapitel der Erdgeschichte. Dabei belegen die Funde sehr unterschiedliche, stammesgeschichtliche Entwicklungsphasen, die vom primitiven Ur-Reptil bis hin zum hochspezialisierten „Iguanodon“ reichen, der zusammen mit allen anderen Dinosauriern vor rund 65 Millionen Jahren schließlich ausstarb.

Giganten der Kreidezeit
Das Hochsauerland bei Brilon-Nehden in der frühen Kreidezeit: Das heutige Mittelgebirge war noch nicht vorhanden, die damaligen Gebirgszüge weitgehend abgetragen. Teile des Sauerlandes lagen in der Nähe eines nördlich angrenzenden Flachmeeres. In den Niederungen dieser Küstenregion gab es Seen und Sümpfe. Im kalkfelsigen Untergrund hatten sich Karsthöhlen und Klüfte gebildet. Es war warm und feucht. Starke Gewittergüsse ließen die Seen über ihre Ufer treten und brachten immer wieder große Schlammmassen in Bewegung. Ein Höhlensystem bei Nehden wurde auf diese Weise verfüllt. In den tonigen Sedimenten waren auch größere Saurier-Knochen eingelagert. Rund 100 Millionen Jahre später sollten sie  entdeckt und als Reste der Gattung Iguanodon identifiziert werden.

LeguanzähnerFurcht erregend: Der „Leguanzähner“ Iguanodon – ein Pflanzen fressender Großsaurier der Kreidezeit.



Iguanodon gehörte mit einer Körperlänge von 8 bis 10 Metern und einem Gewicht von vier Tonnen zu den Giganten jener Zeit. Trotz seines furchterregenden Aussehens war der „Leguanzähner“ nur ein harmloser Pflanzenfresser. In Brilon-Nehden wurden ca. 1.400 Iguanodon-Knochen, darunter Skelettreste von Jungtieren geborgen, die beweisen, dass dieser Riese bei uns in Deutschland, möglicherweise auch im heutigen Waldeck-Frankenberg, vorkam. Erste Funde stammten aus Großbritannien und einer belgischen Kohlengrube, wo 29 fast komplett erhaltene Skelette ausgegraben wurden.    

Mini-Saurier aus der „Korbacher Spalte“
Eine zweite wichtige Fundstelle, die „Korbacher Spalte“, ist etwa 150 Millionen Jahre älter als das Briloner Iguanodon-Grab und gewährt damit Einblicke in die Frühzeit der Saurier-Entwicklung. Im Oberperm, also im ausgehenden Erdaltertum, zählten die Reptilien erstmalig zu den dominanten Landwirbeltieren und entwickelten eine außergewöhnliche Formenvielfalt. In Korbach fanden sich Knochenfragmente von mindestens 10 unterschiedlichen Formen, von denen bislang vier relativ sicher bestimmt werden konnten: Die säugetierähnlichen Reptilien mit dem berühmten „Urweltdackel“ Procynosuchus sowie einem weiteren Vertreter aus der Gruppe der Dicynodontier, - plumpe, kaum ein Meter lange, stummelschwänzige Gesellen, die sich von Pflanzen ernährten; weitere Funde lassen auf Formen schließen, die einerseits zu den primitiven Ur-Reptilien (Pareiasauriern) und andererseits zu den „Vorläufern“ der Dinosaurier zu zählen sind. Letztere sind vertreten durch das spektakuläre Kupferschiefer-Reptil Protorosaurus, das sich von den Samen des oberpermischen Nadelbaumes Ullmannia ernährte. Im Vergleich mit den kreidezeitlichen Dino-Giganten hatten die Korbacher Saurier nur Miniformate vorzuweisen.

Mit dem frühen Cynodontier Procynosuchus trat erstmals eine Tiergruppe auf die Bühne der Evolution, die bereits deutliche Merkmale der erst im frühen Erdmittelalter erscheinenden Säugetiere aufweist. Das Gebiss ist mit Eck- und Backenzähnen ausdifferenziert; ein Gaumendach trennt Atem- und Nahrungsweg. Die Hinterbeine standen aufrecht unter dem Körper und die Schädelform ähnelte eher einem Hund. Trotzdem dauerte es noch Jahrmillionen, bis sich aus diesen fortschrittlichen Formen über mehrere Zwischenstufen die ersten echten Säugetiere entwickelten. Sie existierten lange Zeit zunächst heimlich und „unbemerkt“ im Schatten der gigantischen Dinosaurier.

Die Saurierspuren von Bühle und Wolfhagen
Waldeck-Frankenberg vor rund 245 Millionen Jahren: Es ist Buntsandstein-Zeit. Wüste – so weit das Auge reicht! Der Wind hat riesige Dünen aufgetürmt. Trockenheit herrscht vor, die aber nicht selten von heftigen, monsunartigen Regenfällen unterbrochen wird. Dann überfluten urplötzlich weitläufige Flusssysteme die öde Wüstenebene. Wasser zieht die spärliche Tierwelt magisch an. Im noch feuchten Schlamm eines ausgetrockneten Tümpels hat ein kleiner Lepidosaurier seine Fußspuren verewigt. Der Landesgeologe Manfred Horn fand sie 1994 versteinert in einer Sandgrube nahe der Ortschaft Bühle. Eine Steinplatte (heute  ausgestellt im Wolfhagener Regionalmuseum) zeigt die Spuren zweier Tiere, - vermutlich erste Vertreter primitiver Eidechsen oder kleiner eidechsenartiger Reptilien, die mit Sphenodon, der in Neuseeland lebenden Brückenechse, bis heute überlebt haben.

Sandgrube bei BühleIn dieser Sandgrube bei Bad-Arolsen-Bühle fand der Geologe Manfred Horn 1994 fossile Spuren eine Eidechsen-ähnlichen Saurierart.

Foto: N. Panek

Bühler FährtenplatteDie Bühler Fährtenplatte

Foto: N. Panek


In einem Steinbruch nahe der Kreisgrenze bei Wolfhagen fanden Paläontologen 1999 weitere Fährtenspuren, die auffällig an menschliche Handflächen erinnern. Lange Zeit wurden derartige Spurenfunde einem imaginären „Handtier“ Chirotherium zugeordnet. Heute nimmt man an, dass diese Fußabdrücke von einem 1,5 Meter großen Archosaurier stammen - einer enorm erfolgreichen Reptiliengruppe, die das Leben auf dem Festland bis zum Ende des Erdmittelalters beherrschen sollte. So erstaunlich es klingt: Heute noch lebende Archosaurier sind die Krokodile und, obwohl man es ihnen nicht ansieht, auch die Vögel.

Chirotherium-FährtenHandförmige Fährten des sog. Chirotheriums, eines etwa 1,5 m großen Archosauriers.

Foto: Dr. S. Bökenschmidt




Geo-Tipps


  • Stadtmuseum Brilon, Heinrich-Jansen-Weg 6 (Öffnungszeiten: Di bis Fr 15 – 17 Uhr; Do bis So 10 – 12 Uhr; montags und an Feiertagen geschlossen); die Iguanodon-Fundstelle befindet sich in einem Steinbruch wenige Kilometer nordöstlich von Brilon nahe dem Dorf Nehden.
  • Wolfgang-Bonhage-MUSEUM KORBACH (Öffnungszeiten: Di bis So 11 – 16.30 Uhr); Führungen in der Fossilienfundstätte „Korbacher Spalte“: Jeweils sonntags von Mai bis Oktober um 10.15 Uhr und 11.15 Uhr.
  • Regionalmuseum Wolfhager Land, Ritterstr. 1 (Öffnungszeiten: Di bis Do 10 – 13 Uhr und 14 – 17 Uhr; Sa und So: 14 – 17 Uhr); zu besichtigen sind u.a. fossile Saurierspuren und der „Geologische Zeitweg“.    
  • Literatur: Kunz, R. & Fichter, J. (2005): Saurier, Panzerfische, Seelilien – Fossilien aus der Mitte Deutschlands, Edition Goldschneck im Quelle & Meyer Verlag, Wiebelsheim.

Weitere Informationen auf den Unterseiten der Geoparkzentren Naturpark Diemelsee und Nordwaldeck.