Geopark Waldeck-Frankenberg

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ErdGeschichte(n)

Folge 4

Auf den Spuren der Berg- und Hüttenleute

„Sauerländisch-hessische Bergbauroute“ im Visier – Erlebnistour durch alte Bergbaulandschaften im Geopark

Von Norbert Panek

Sie haben spannende Spuren aus der Vergangenheit hinterlassen: die Berg- und Hüttenleute, die bereits im 15. Jahrhundert die Industrie im Geopark Waldeck-Frankenberg prägten. Ihre Geschichte soll nun besser präsentiert werden.

Der Großraum um Hochsauerland und Waldeck-Frankenberg ist aufgrund seiner erdgeschichtlichen Entstehung vielfältig geprägt durch zahlreiche, zum Teil überregional bedeutende Vorkommen von Metallerzen und mineralischen Rohstoffen. Diese Vorkommen bildeten, auch wenn dies heute kaum mehr vorstellbar ist,  über lange Zeiträume hinweg die wirtschaftlichen Grundlagen unserer Region. Sie beeinflussten die Landschaft und das kulturelle Leben auf nachhaltige Weise.

Noch heute sind die Spuren dieser Einflussnahme sichtbar und sogar erlebbar. Besucherbergwerke vermitteln einen Eindruck von der beschwerlichen Arbeit unter Tage. Alte Bergbauhalden und Schlackenreste künden von den frühindustriellen Aktivitäten, von denen einst ganze Generationen lebten. Eine länderübergreifende „Bergbauroute“ könnte diese historischen Zeugnisse als geotouristische Atttraktion präsentieren.

Goldspur EisenbergEine Besuchergruppe am Unteren-Tiefen-Tal-Stollen am Korbacher Eisenberg erlebt Bergbaugeschichte auf der zukünftigen „Bergbauroute“.

Foto: Historischer Goldbergbau Eisenberg e.V.


Früher Bergbau
Im Geopark Waldeck-Frankenberg finden sich die ältesten Spuren der Metallgewinnnung im Edertal bei Wellen und bei Frankenberg-Geismar, wo Reste von Ofenschlacken gefunden wurden, die nach neueren Untersuchungen vermutlich etwa 2.000 Jahre alt sind. Erste urkundlich belegte Erwähnungen des Bergbaues stammen allerdings erst aus dem Mittelalter. In Waldeck wird die Verleihung der Bergrechte an das damalige Grafenhaus erstmalig 1495 genannt.

Der Abbau der Erze erfolgte in der Frühphase des Bergbaues noch oberflächennah in so genannten „Pingen“. Die bedeutendsten Eisen-Lagerstätten befanden sich im Raum Adorf – Bredelar und am Nordwesthang des „Wüstegartens“ in der Haingrube im südlichen Kellerwald. Oberflächennahe Abbaue auf Kupfer gab es bei Obermarsberg, Wrexen, an der Twiste, bei Korbach und bei Goddelsheim, im Itterschen Revier, im Kellerwald (Bergfreiheit) und bei Frankenberg-Geismar. Gold wurde am Eisenberg bei Korbach abgebaut; an der Eder, z. B. bei Affoldern, wusch man es geduldig aus dem Flusssand. Ein Bleibergwerk existierte an der Banfe im heutigen Nationalpark. Bei Battenberg-Laisa fand man auch Manganerze.

Verhüttung und Weiterverarbeitung
Die Erze wurden anfangs in so genannten Rennöfen verhüttet. Das waren primitive Lehmöfen, die durch natürliche Windzufuhr angeblasen wurden. Daher baute man diese Öfen in besonders windexponierten Lagen (z. B. Hochtäler, Bergoberhänge). Im Sauerland nannte man sie „Iserschmitten“. Schlacken- und Luppenreste solcher Öfen fand man u. a. im Quellgebiet der Hoppecke im Waldeckischen Upland. Meist wurde das gewonnene Metall sofort vor Ort in den Waldschmieden weiterverarbeitet.

Im Verlauf des 15. Jahrhunderts setzten zahlreiche technische Neuerungen ein. Fortan nutzte man vermehrt die Kraft des fließenden Wassers für den Betrieb der Gebläse und Hämmer. So entwickelten sich die Täler der wasserreichen, größeren Bäche und Flüsse (Orpe, Twiste, Diemel, Itter, Urff, Eder u. a.) zu den wichtigsten Zentren des frühindustriellen Metallgewerbes. Die Folge war vor allem eine arbeitsteilige Organisation der Erz- und Metallverarbeitung in räumlich getrennten Hütten-, Hammer- und Schmiedebetrieben mit einer daraus resultierenden Produktionssteigerung sowie neuen Handwerksberufen (Aufgeber, Bläser, Schlackenpöcher, Formschneider, Gießer etc.). Infolgedessen fielen die unrentabel gewordenen Standorte der Rennöfen und Waldschmieden bald wüst.

Herrschaftliche Förderung
Der Bergbau wurde seitens der Landesherrschaft gezielt gefördert, vor allem durch finanzielle Begünstigungen der sich ansiedelnden Berg-, Hammer- und Hüttenleute, die aus allen Himmelsrichtungen einwanderten. Es kamen Bergmänner aus der Pfalz, aus dem Harz, dem Erzgebirge und sogar aus Schweden hier her. Einige neue Siedlungen wurden angelegt (Bergfreiheit im Kellerwald und vermutlich auch Goldhausen bei Korbach). 1695 gab es allein in der ehemaligen Grafschaft Waldeck bereits 12 Hütten und 50 Hammerwerke. Allerdings wurden die Abbauverfahren zunehmend unwirtschaftlich. Die Schürfrechte teilten sich eine Vielzahl von Einzelgewerkschaften. Zudem waren die alten Pingenabbaue nahezu erschöpft und die Einführung des Stollenbaus (Untertagebaus) erfolgte wegen der hohen Investitionskosten nur zögerlich.

Bergbau und Verhüttung bedingten ein Netz von vielfältigen Zubringerdiensten. An erster Stelle stand da vor allem das Köhlereigewerbe. Erz und Holzkohle wurden nicht selten über Entfernungen von bis zu 40 km transportiert. In zahlreichen Wäldern, vor allem im Kellerwald findet man noch heute oft die kreisrunden, mit Kohlenstaub durchtränkten Meilerstellen. Der Gebietsname „Kellerwald“ leitet sich bekanntlich aus „Köhlerwald“ oder „Kahler Wald“ ab.

Im Gefolge der Metallproduktion und –verarbeitung entwickelte sich ein lebhafter Wanderhandel vor allem in den Uplanddörfern um Willingen. Verkauft wurden Nägel (Pinnen), Hämmer, Sensen und Äxte, später auch Holzwaren. Die Handelsbeziehungen reichten bis Holland und Polen. Noch bis 1963 wurden in der Grube „Christiane“ bei Adorf Eisenerze in einer monatlichen Menge von rund 12.000 Tonnen (!) gefördert. In der Haingrube im Kellerwald, die neben Adorf ebenfalls regionale Bedeutung besaß, wurde der Betrieb bereits 1871 eingestellt.     
Im Oberen Edertal hörte man das Klopfen des „Auhammers“ bei Battenberg noch bis 1958. 1873 erwarb die Firma Hasenclever die Hammermühle und ersetzte die Holzschaufelräder durch größere, gusseiserne Wasserräder. Teile des Hammerwerkes sind heute im Hessenpark in Neu-Anspach zu besichtigen.

Historische Bergbaustraße
Weitere Spuren unserer Bergbaugeschichte sind zwischenzeitlich verwischt. Manches ist jedoch erhalten geblieben, lädt ein zu spannenden Entdeckungsreisen. Erzhalden und Pingenlöcher, etwa die alten Tagebaue bei Adorf (Martenberg) und bei Thalitter, Schlackenreste in der Nähe ehemaliger Hüttenstandorte und alte Goldwaschplätze sind Zeugen, die uns ihre „eigene“ Geschichte erzählen.

Bergbauroute

Die Karte zeigt den möglichen Verlauf einer „Sauerländisch-hessichen Bergbauroute“ (als Radwanderweg) mit einzelnen „Stationen“, an denen der Besucher die bergbauhistorischen Zeugnisse entdecken und erleben kann (hier nur der Bereich des Landkreises Waldeck-Frankenberg).

Karte: Geopark-Projektbüro


Ein Projekt, das diese Geschichten nutzbringend wieder beleben könnte, ist eine vom Briloner Heimatbund initiierte „Bergbauroute“, die alle historischen Orte im Sauerland und im Geopark Waldeck-Frankenberg – möglicherweise als Radwanderweg – länderübergreifend  miteinander verbinden und touristisch erschließen soll. Im Geopark wurde mit dem Netzwerk der Besucherbergwerke und dem „Eisensteinweg“ bereits ein Anfang gemacht. Ein erster noch unvollständiger Routenentwurf liegt vor, der elf mögliche „Stationen“ mit unterschiedlichen Sehenswürdigkeiten und Besucher-Angeboten auf hessischer Seite enthält. Metall- und Köhlerhandwerk könnten wieder aufleben.

Gute Ideen sind gefragt
Das Geopark-Projektbüro bittet deshalb interessierte Bürger, insbesondere die örtlichen Heimat- und Geschichtsvereine, bei der Verwirklichung des Projektes um Mitarbeit. Hinweise und Informationen zur örtlichen Bergbaugeschichte können an folgende Kontaktstelle weitergegeben werden:

Geopark-Projektbüro
Dipl.-Ing. Norbert Panek
Auf Lülingskreuz 60
34497 Korbach
Tel. 05631-954 827
mail: norbert.panek@landkreis-waldeck-frankenberg.de


Geo-Tipps


  • Die Wanderroute „Eisensteinweg“ führt auf einer Gesamtlänge von 40,5 km in mehreren Etappen von der Grube „Christiane“ bei Adorf zur ehemaligen Bericher Hütte im heutigen Edersee.
  • Geoführer Eisensteinweg – Auf den Spuren der Berg- und Hüttenleute (Broschüre mit ausführlicher Routenbeschreibung); Bezug: Naturpark Diemelsee, Südring 2, 34497 Korbach, Tel. 05631-954 358, E-mail: info@naturpark-diemelsee.de 
  • Broschüre „Einblicke in die Unterwelt – Netzwerk der Besucherbergwerke“; Bezug über: Geopark-Projektbüro (s.o.) oder Besucherbergwerke vor Ort.