Geopark Waldeck-Frankenberg

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ErdGeschichte(n)

Folge 7:

Im Bauch der Berge – Höhlen und Karsterscheinungen im Geopark

Von Norbert Panek

Höhlen haben die Menschen schon immer magisch angezogen. In grauer Vorzeit dienten sie sogar als Behausung und Schutz vor den Unbilden der Eiszeit. Viele natürliche Höhlen liegen in den  Kalk- und Dolomitgesteinen, die aus Sedimenten gebildet wurden, die das Zechsteinmeer einst vor rund 250 Mio. Jahren hier hinterließ. Durch fortwährende chemische Auflösungsprozesse („Kohlensäureverwitterung“) entstehen in diesen Gesteinen mitunter ausgedehnte unterirdische Hohlraumsysteme sowie Erdfälle (Dolinen). Im Geopark sind solche Erscheinungen vor allem im Zechsteinkalk in der Umgebung der Kreisstadt Korbach zu finden. Weitere kleine Höhlen gibt es auch im Buntsandstein (- so z. B. in der „Hollenkammer“ bei Lütersheim/Nordwaldeck).

SiegfriedhöhleDer Eingang der etwa 50 m langen Karsthöhle bei Obernburg, in der - so die Legende - der Drache Fafnir erschlagen wurde.

Foto: Landesverband für Höhlen- & Karstforschung

Im Bereich des gesamten Geoparks hat der Landesverband für Höhlen- und Karstforschung Hessen e.V. 42 größere und 14 kleinere Höhlen kartiert. Weiterhin sind ca. 20 weitere Karsterscheinungen erfasst worden, so z. B. Dolinen, Karstquellen und so genannte „Bachschwinden“ (Ponore) – ein Beispiel ist der Bachlauf der „Marbeck“ südwestlich von Korbach, der nur im zeitigen Frühjahr reichlich Wasser führt.

Die größte bisher entdeckte, begehbare Höhle misst eine Länge von 132 m und gilt damit als die zweitgrößte Karsthöhle Nordhessens. Zu den bekanntesten Objekten zählt die „Siegfried- oder Drachenhöhle“ bei Vöhl-Obernburg. Forschungen aus den 1930er Jahren haben sie mit der Siegfried-Sage in Verbindung gebracht. Angeblich hatte die bekannte Heldenfigur dort den bösen Drachen Fafnir erschlagen. Weitere Märchen und Sagen ranken sich um die Höhlen des Geoparks. So sollen in ihnen hier und da kleine Wichtelmännchen, die so genannten „Hollen“ gelebt haben. Sie waren den Menschen meist freundlich gesonnen, trieben aber auch allerhand Schabernack.

Die genannten und viele weitere Natur-Höhlen des Geoparks haben große Bedeutung als Überwinterungsquartiere für Fledermäuse und sind außerdem Lebensräume für zahlreiche „spezialisierte“ und daher seltene Tierarten. Jahr für Jahr werden sogar neue Arten entdeckt. Höhlenforscher haben in Waldeck-Frankenberg zurzeit knapp 200 Taxa nachgewiesen. Bei einigen Tierfunden konnte aber bisher noch nicht genau die Art bestimmt werden. Die Vorkommen mancher Tiere wie z. B. endemisch lebender Höhlenspinnen oder Grundwasserkrebse sind meist nur auf wenige Standorte beschränkt. Schon kleine Eingriffe des Menschen können dann derartige Bestände beeinträchtigen oder gar auslöschen. Aus diesem Grund stehen fast alle Höhlen im Geopark Waldeck-Frankenberg unter Schutz und sind für Besucher unzugänglich.

Eine Besonderheit stellt das Vorkommen der Zwergspinne Porrhomma rosenhaueri dar, die nur etwa zwei Millimeter groß und mit ihren stark reduzierten Augen ein typischer Höhlenbewohner ist. Bislang sind in Hessen nur zwei Fundorte dieser Art bekannt (in Waldeck-Frankenberg sowie im Raum Kassel). Weitere Erstnachweise für Hessen gibt es bei verschiedenen, Höhlen bewohnenden Pilzmücken. Bemerkenswert sind außerdem die Vorkommen der Teichfledermaus, die in den Höhlen des Geoparks Winterquartier bezieht.

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des Landesverbandes für Höhlen- und Karstforschung unter www.hoehlenkataster-hessen.de sowie des Geoparks unter www.geopark-waldeck-frankenberg.de