Geopark Waldeck-Frankenberg

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Erdgeschichte(n)

Folge 9:

Der Eisenberg bei Korbach -
Wundersame „Insel“ im steinernen Meer

Von Norbert Panek

Aus der Ferne betrachtet, ragt er fast „majestätisch“ wie eine Insel aus der Korbacher Hochfläche empor – der Eisenberg, Korbachs Hausberg, 562 m hoch, Wahrzeichen und „geologische Meile“ des Geoparks GrenzWelten.

Der Berg bietet weit mehr als nur eine schöne Aussicht von dem 1905 erbauten Georg-Viktor-Turm. Alte Siedlungsspuren belegen, dass er die Menschen schon in früheren Zeiten magisch anzog. Vor allem lockten die reichen Erz- und Berggold-Vorkommen. Der Eisenberg beherbergt ein deutschlandweit bedeutendes „Industriedenkmal“ der Bergbaugeschichte. Bis gegen Ende des 17. Jahrhunderts thronte zudem auf der Kuppe ein Burgschloss, das längere Zeit Sitz der Waldecker Grafen war, die der „älteren Eisenberger Linie“ angehörten (die 1692 schließlich ausstarb). Der Korbacher Eisenberg birgt also viele Sehenswürdigkeiten und vielleicht auch noch unentdeckte Überraschungen!

EisenbergDie restaurierten Grundmauern der Burg Eisenberg thronen auf dem Gipfel.

Foto: N. Panek

Geomorphologisch betrachtet, bildet er mit dem „Eisenberger Abbruch“ eine markante Geländestufe, die das „Rheinische Schiefergebirge“ im Westen von der „Niederhessischen Senke“ im Osten abgrenzt. Die Geländestufe markiert eine Verwerfung, an der die östlichen (jüngeren) Gebirgsteile in einer Grabenzone absinken, während sich die westlichen (älteren) Bereiche im „Schiefergebirge“ langsam weiter emporheben. Diese „Schnittlinie“ wird durch den relativ steil ansteigenden Osthang des Eisenberges angezeigt.

Geologisch betrachtet, ist der Eisenberg aus rund 320 Millionen Jahre alten Meeresablagerungen, aus Schwarzschiefern, Kieselschiefern und Kieselkalken der Unterkarbonzeit aufgebaut, die bei der Entstehung des „Rheinischen Schiefergebirges“ im Oberkarbon zu einer Sattelfalte empor gepresst wurden. In den Kluft- und Störungslinien, die durch die Gebirgsbildung entstanden, sammelte sich das berühmte Gold des Eisenberges. In seltenen Fällen konnten sich dort auf diese Weise Goldkonzentrationen von über 1.000 Gramm je Tonne Gestein ablagern.

Schafe vor EisenbergSchafe weiden auf einer Wiese bei Nieder-Ense mit dem EIsenberg im Hintergrund.

Foto: N. Panek


Vor rund 250 Millionen Jahren drang erneut ein Meer in den Raum Korbach vor – das „Zechsteinmeer“. Der Eisenberg lag in einer Küstenzone. Die Kuppe des Berges bildete eine dem nahen Festland vorgelagerte Insel. Noch heute sind am Ost – und Südhang flache, terrassenartige „Brandungsplattformen“ zu erkennen, wo der Wellenschlag des Meeres bis zu 25 m mächtigen Brandungsschutt hinterließ, der aus gut gerundeten, meist bis zu 5 cm großen Geröllen besteht. In einem Steinbruch nordwestlich von Nordenbeck sind noch Teile dieses vom Meer aufgearbeiteten Abtragungsmaterials als fossiler „Kiesstrand“ sichtbar.
In dem gebirgigen Hinterland, das der Küstenzone westwärts vorgelagert war, oder vielleicht sogar in einer abgelegenen Schlucht des damaligen Eisenberg-Massivs lebten vermutlich die Reptilien, deren Knochenreste später – nach der ersten Rückzugsphase des „Zechsteinmeeres“ – in die „Korbacher Spalte“ eingeschwemmt wurden. Jüngere Gesteine der dem Oberperm folgenden Erd-Epochen sind am Eisenberg nicht mehr vorhanden, weil sie bis auf das heutige Grundgebirge wieder abgetragen wurden – mit Ausnahme des  eiszeitlichen Verwitterungsschutts an den Abhängen, wo in geschichtlicher Zeit die ersten Goldwasch-Pingen angelegt wurden.

Wie der Eisenberg zu seinem Namen kam und warum er nicht „Goldberg“ heißt, lässt sich nur vermuten. In den ältesten Urkunden wird immer die Bezeichnung „Isinberge“ genannt. Vielleicht war Eisen das erste Metall, das am Berg gefunden und abgebaut wurde, und vielleicht erst viel später entdeckte man auch die Kupfer- und Goldvorkommen. An der Südflanke des Berges weist der alte Flurname „Eisenkaule“ auf eine Stelle hin, wo früher Roteisenstein gewonnen wurde. Heute noch findet man dort auf den umgepflügten Äckern kleine Erzbrocken. Ein großer, annähernd 100 kg schwerer Klumpen befindet sich im Wolfgang-Bonhage-Museum in Korbach.

Vielleicht waren die Eisenvorkommen auch der Grund für eine erste frühe Besiedlung des Berges in vorchristlicher Zeit. Spuren dazu finden sich an dem möglicherweise keltischen Ringwall östlich des Georg-Viktor-Turms. Auf dem Nordostsporn des Eisenberges erkennt man einen Burghügel, „Königsstuhl“ genannt, mit spärlichen Mauerresten. Experten deuten dieses Relikt als „Vorläufer“ der später erbauten „Burg Eisenberg“, die urkundlich erst im Jahr 1367 genannt wird. Im 18. Jahrhundert verfiel sie zunehmend.
1988 wurden die Grundmauern des ehemaligen Burgschlosses vollständig wieder freigelegt. In Teilbereichen eines Kellers entdeckte man ein „Laboratorium“ mit Funden von Metall- und Schlackenresten sowie Schmelztiegeln. Berühmtheit erlangte der Berg schließlich wegen seiner reichen Goldvorkommen. Bergwerksstollen und Schächte von insgesamt rund 20 km Länge durchlöchern das Gebirge. Der Goldabbau endete im 17. Jahrhundert. Spätere Bergbauversuche blieben erfolglos.     

Geo-Tipps

  • Sehens- und empfehlenswert: Eine Führung im Goldbergwerk (an den Wochenenden von Mai - Oktober), ein Rundgang auf der markierten Wanderroute „Goldspur Eisenberg“ (Startpunkt am südlichen Ortsrand von Goldhausen/Zufahrt: Straße „Am Kleegarten“) und ein Ausblick von der Plattform des Georg-Viktor-Turms (www.goldspur-eisenberg.de).
  • Die begehbaren Grundmauern der Ruine „Burg Eisenberg“ befinden sich am Fuß des Georg-Viktor-Turms.
  • Der „GeoPfad Korbach“ (Markierungssymbol Z) führt von der Fossilienfundstätte „Korbacher Spalte“ zum Eisenberg.  
  • Literatur: Broschüren „Goldspur Eisenberg - Auf den Spuren der Goldsucher“ sowie „Wenn eine Landschaft erzählt – GeoPfad Korbach“ (erhältlich im Bürgerbüro - Rathaus Korbach, Stechbahn 1, 34497 Korbach, www.korbach.de).