Karsthöhlen
Höhlen
haben die Menschen schon immer magisch angezogen. In grauer Vorzeit
dienten sie als Behausung und Schutz vor den Unbilden der Eiszeit. Viele
natürliche Höhlen liegen in den Kalk- und Dolomitgesteinen, die aus
Sedimenten gebildet wurden, die das Zechsteinmeer einst vor rund 250
Mio. Jahren hier hinterließ. Durch fortwährende chemische
Auflösungsprozesse („Kohlensäure-Verwitterung“) entstehen in diesen
Gesteinen mitunter ausgedehnte unterirdische Hohlraumsysteme sowie
Erdfälle oder Dolinen. Im Geopark Waldeck-Frankenberg sind solche Erscheinungen vor allem im Zechsteinkalk in der Umgebung der Kreisstadt Korbach zu finden. Weitere kleine Höhlen findet man auch im Buntsandstein (z.B. in der „Hollenkammer“ bei Lütersheim im GPZ Nordwaldeck). Im Bereich des gesamten Geoparks hat der Landesverband für Höhlen- und Karstforschung Hessen e.V. 42 größere und 14 kleinere Höhlen kartiert. Weiterhin sind ca. 20 weitere Karsterscheinungen erfasst worden, so z.B. Dolinen, Karstquellen und so genannte „Bachschwinden“ – ein Beispiel ist der Bachlauf der „Marbeck“ südwestlich von Korbach, der nur im zeitigen Frühjahr reichlich Wasser führt (>> mehr).
Die
größte bisher entdeckte, begehbare Höhle misst eine Länge von 132 m und
gilt damit als die zweitgrößte Karsthöhle Nordhessens. Zu den
bekanntesten Objekten zählt die „Siegfried- oder Drachenhöhle“ bei
Vöhl-Obernburg. Forschungen aus den 1930er Jahren haben sie mit der
Siegfried-Sage in Verbindung gebracht. Angeblich hatte die bekannte
Heldenfigur dort den bösen Drachen Fafnir erschlagen. Weitere Märchen
und Sagen ranken sich um die Höhlen des Geoparks. So sollen in ihnen
hier und da kleine Wichtelmännchen, die so genannten „Hollen“ gelebt
haben. Sie waren den Menschen meist freundlich gesonnen, trieben aber
auch allerhand Schabernack.
Die
genannten und viele weitere Natur-Höhlen des Geoparks haben große
Bedeutung als Überwinterungsquartiere für Fledermäuse und sind außerdem
Lebensräume für zahlreiche „spezialisierte“ und daher seltene Tierarten.
Jahr für Jahr werden sogar neue Arten entdeckt. Höhlenforscher haben in
Waldeck-Frankenberg zurzeit knapp 200 Taxa nachgewiesen. Bei einigen
Tierfunden konnte aber bisher noch nicht genau die Art bestimmt werden.
Die Vorkommen mancher Tiere wie z.B. endemisch lebender Höhlenspinnen
oder Grundwasserkrebse sind meist nur auf wenige Standorte beschränkt.
Schon kleine Eingriffe des Menschen können dann derartige Bestände
beeinträchtigen und gar auslöschen. Aus diesem Grund stehen fast alle
Höhlen unter Schutz und sind für Besucher unzugänglich. Eine Besonderheit stellt das Vorkommen der Zwergspinne Porrhomma rosenhaueri dar, die nur etwa zwei Millimeter groß und mit ihren stark reduzierten Augen ein typischer Höhlenbewohner ist. Bislang sind in Hessen nur zwei Fundorte dieser Art in Waldeck-Frankenberg sowie im Raum Kassel bekannt. Weitere Erstnachweise für Hessen gibt es bei verschiedenen Höhlen bewohnenden Pilzmücken. Bemerkenswert sind außerdem die Vorkommen der Teichfledermaus, die in Waldeck-Frankenberger Höhlen Winterquartier bezieht.
TIPP!
Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des Landesverbandes für Höhlen- und Karstforschung unter
>> www.hoehlenkataster-hessen.de