toggle menu

Die Neandertaler-Fundstelle Edertal-Buhlen

Buhlen im Edertal gehört zu den bedeutendsten altsteinzeitlichen Fundplätzen in Hessen und weit darüber hinaus. Die Fundstelle zeigt, dass die Landschaft Nordhessens schon vor vielen Zehntausend Jahren von Neandertalern genutzt wurde – nicht als dauerhafter Wohnort im heutigen Sinn, sondern als günstiger Platz zum Jagen, Zerlegen und Bearbeiten von Tierbeute. 

Die archäologischen Funde machen deutlich, dass Buhlen in der Eiszeit eine strategisch günstige Lage besaß. Damals war die Umgebung keine bewaldete Mittelgebirgslandschaft wie heute, sondern eher eine offene, kühle Steppen- und Tundrenlandschaft, in der große Tierherden unterwegs waren. Für Neandertaler bot das gute Bedingungen, um Rentiere, Wildpferde, Hirsche, Wollnashörner, aber auch Mammuts und andere Großtiere zu verfolgen.

Und man fand in den Ablagerungen des Flusses Netze Kieselschiefer, ein Gestein das sehr gut für das Herstellen von Werkzeugen geeignet ist.

Welche Funde gemacht wurden

Berühmt wurde Buhlen vor allem durch eine große Zahl an Steingeräten und Tierknochen. Zu den Werkzeugen gehören unter anderem Schaber, Faustkeile und Keilmesser, also typische Geräte des Mittelpaläolithikums. Solche Werkzeuge wurden zum Schneiden, Schaben, Zerlegen von Fleisch, zur Bearbeitung von Fellen und wahrscheinlich auch bei der Holzverarbeitung eingesetzt.

Ebenso wichtig sind die vielen Knochenfunde. Sie stammen von großen eiszeitlichen Tieren, die auf der Jagd erbeutet oder vor Ort zerlegt wurden. Die Kombination aus Werkzeugen und Tierknochen zeigt nicht nur, dass Neandertaler hier gewesen sind, sondern auch, wie sie den Platz nutzten: als Jagdstation, Arbeitsplatz und zeitweiligen Aufenthaltsort. Auch wurde ein einzelner Knochen eines Neandertalers gefunden.

Was die Funde bedeuten

Die Funde von Buhlen sind wissenschaftlich besonders wertvoll, weil sie einen selten klaren Einblick in das Leben der Neandertaler geben. Sie zeigen nicht nur einzelne Gegenstände, sondern ein ganzes Nutzungsbild: Jagd, Zerlegung der Tiere, Werkzeugherstellung und vermutlich auch das Bearbeiten von Häuten und anderen Rohstoffen.

Für die Forschung ist zudem wichtig, dass Buhlen zu den ergiebigsten eiszeitlichen Fundstellen Mitteleuropas zählt. Die Fundstelle liefert damit nicht nur Informationen über die Neandertaler selbst, sondern auch über das Klima, die Tierwelt und die Landschaft während der Eiszeit.  

Bedeutung für Nordhessen

Für Nordhessen ist Buhlen ein außergewöhnlicher Ort, weil hier die Eiszeitgeschichte der Region unmittelbar sichtbar wird. Die Fundstelle belegt, dass der Raum um Eder und Netze schon sehr früh von Menschen genutzt wurde und dass Nordhessen in die großen Wanderungs- und Jagdräume der eiszeitlichen Wildbeuter eingebunden war.

Buhlen ist damit ein Ort, an dem Archäologie, Landschaft und regionale Identität auf besondere Weise zusammenkommen. Die Fundstelle verbindet wissenschaftliche Forschungsergebnisse mit Kulturlandschaft Nordhessens und ist ein besonderes Zeugnis der menschlichen Siedlungsgeschichte dieser Region.

Funde sind im Landesmuseum in Kassel, im WOLFGANG-BONHAGE-Museum in Korbach, sowie im Stadtmuseum in Bad Wildungen zu besichtigen.

 

Besuchen Sie die Fundstelle

Für Besucherinnen und Besucher ist Buhlen ein Fenster in eine ferne, aber lebendige Welt. Die Fundstelle erzählt von einer Zeit, in der Menschen als Jäger und Sammler im Rhythmus der Jahreszeiten lebten und auf ein genaues Wissen über Tiere, Landschaft und Rohstoffe angewiesen waren.

Gerade deshalb ist Edertal-Buhlen mehr als nur ein archäologischer Fundort.

Auch wenn vor Ort kein Museum existiert und weder Artefakte noch Fossilien ausgestellt sind, macht es die Vergangenheit sichtbar und stärkt zugleich das regionale Bewusstsein für die Landschafts- und Kulturgeschichte der Region. Dass die Fundstelle im Geopark GrenzWelten besonders hervorgehoben wird, unterstreicht ihren wissenschaftlichen und öffentlichen Wert.

Die Bedeutung der Fundstelle wird durch Informationstafeln vermittelt. Einige Funde sind in Museen der Region ausgestellt und machen die Eiszeitgeschichte von Nordhessen anschaulich erlebbar.