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Deutsche Stratigraphische Kommission zu Besuch am Diemelradweg bei Marsberg

Fachleute bestätigen wissenschaftlichen Wert des Aufschlusses am Priesterberg

Exkursionsteilnehmer betrachten einen Aufschluss am Diemelradweg bei Marsberg

Bei der Erweiterung 2019/2020 des Diemelradwegs am Süd-Westhang des Priesterberges wurde der Oberboden abgetragen und das darunterliegende Gestein freigelegt – ein Glücksfall für die Geologie. Gerd Rosenkranz, erfahrener Hobby-Geologe und Geoparkführer, erkannte sofort die außergewöhnliche Vielfalt der freigelegten Schichten. Gemeinsam mit seinem Freund und ebenfalls Geoparkführer Manfred Pauly untersuchte er die Gesteine. Schnell zeigte sich, dass hier auf einer Länge von rund 3.000 Metern ein außergewöhnliches geologisches Profil sichtbar ist – eine Abfolge, die die Erdgeschichte von etwa 365 bis 300 Millionen Jahren umfasst – also rund 65 Millionen Jahre in direkter räumlicher Abfolge.

Der Diplom-Geologe Mathias Knaak vom Geologischen Dienst NRW sowie die Geologen Dr. Gerhard Fischer aus Bremen und Dr. Georg Bresser vom Geopark GrenzWelten bestätigten den besonderen wissenschaftlichen Wert des Aufschlusses. Offene Fragen blieben dennoch bestehen. Besonders das Schwarzschieferband an der Devon-Karbon-Grenze, das Petra Ackermann, Manfred Pauly und Gerd Rosenkranz aus ihrer Arbeit im Besucherbergwerk Kilianstollen kennen, konnte im Gelände zunächst nicht eindeutig nachgewiesen werden.

Im Januar 2026 führten Hangsicherungsarbeiten zu einer weiteren Freilegung. Bei der anschließenden Untersuchung fanden Dr. Gerhard Fischer, Petra Ackermann, Manfred Pauly und Gerd Rosenkranz neue Hinweise auf die Devon-Karbon-Grenze sowie das sogenannte Hangenberg-Event – eines der großen Massenaussterbeereignisse der Erdgeschichte.

Im März 2026 kamen zu dem Team vier weitere Geologen vom Geologischen Dienst NRW (GD NRW) sowie Dr. Georg Bresser vom Geopark GrenzWelten und Dr. Thomas Pawellek aus München hinzu. Sie zeigten sich von der Qualität und der Aussagekraft des Aufschlusses beeindruckt. Umfangreiche Proben wurden zur Altersbestimmung nach Krefeld zum Geologischen Dienst NRW gebracht. Besonders bemerkenswert war, dass unter den Fachgeologen auch Mitglieder der Deutschen Stratigraphischen Kommission waren, die nach Referenzprofilen für genau diesen geologischen Zeitraum suchten. Der Aufschluss wurde daraufhin spontan in das Exkursionsprogramm des nächsten Kommissionstreffens aufgenommen.

So besuchten im April 2026 rund 40 Geologen der Universitäten Bremen, Münster, Bochum, Berlin, München und Dresden sowie Vertreter des Geologischen Dienstes NRW, des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) und des Senckenberg Instituts Frankfurt den Aufschluss. Nach einer ausführlichen Begehung, der Darstellung der Entdeckungsgeschichte und einer geologischen Einordnung waren sich die Fachleute einig: Dieser Abschnitt ist ein außergewöhnlich wertvolles Fenster in die Erdgeschichte.

Der Aufschluss erlaubt nicht nur einen einzigartigen Einblick in die Entwicklung der Erde vor rund 365 bis 300 Millionen Jahren, sondern ist zugleich direkt vom Diemelradweg aus erlebbar. Weitere Freilegungen und wissenschaftliche Untersuchungen wurden angeregt. Die Ergebnisse der weiteren Untersuchungen werden mit Spannung erwartet.